
Das Heilige Land war für die nomadisch lebenden Menschen in den trockenen Wüsten im Süden und Osten des Landes ein verlockendes, ein gesegnetes Land. Im 5. Buch Mose (= Deuteronomium) findet sich die folgende Beschreibung:
Der HERR, dein Gott, führt dich in ein prächtiges Land, ein Land mit Bächen, Quellen und Grundwasser, das im Tal und am Berg hervorquillt, ein Land mit Weizen und Gerste, mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum, ein Land mit Ölbaum und Honig, ein Land, in dem du nicht armselig dein Brot essen musst, in dem es dir an nichts fehlt, ein Land in dem deine Rinder, Schafe und Ziegen sich vermehren können.
Zum gelobten Land wurde das Land vor allem durch das Vorhandensein von Wasser. Niederschläge gab es im Heiligen Land meist ausreichend, allerdings nicht gleichmäßig übers Jahr und die verschiedenen Regionen verteilt. Sie fallen ausschließlich in den Wintermonaten, in den heißen Sommermonaten hingegen fehlen sie völlig. Dann trocknen die Bäche im Bergland aus, Pflanzen, die nicht tief wurzeln verdorren. Immer wieder mal gab es im Heiligen Land auch Jahre, in denen es zu wenig oder gar nicht regnete. Die Folge waren Dürre und Hungersnot. Die Bibel berichtet davon in der Josefsgeschichte, im Buch Ruth und besonders eindrücklich aus der Zeit als sich König Ahab und der Prophet Elia feindlich gegenüber standen.
Um das ganze Jahr über Wasser zur Verfügung zu haben, fassten die Menschen schon zu biblischen Zeiten die vorhandenen Quellen. Die lieferten das reinste Wasser. Da es aber nicht genügend Quellen gab, gruben die Bewohner, wo das möglich war, Brunnen um an Grundwasser zu kommen. Und sie leiteten das Regenwasser in Bassins und in Zisternen, die sie vielerorts in den felsigen Untergrund gemeiselt hatten.
An den Quellen und Brunnen trafen sich die Menschen, wenn sie kamen um daraus Wasser zu schöpfen, das sie anschließend zum Waschen oder Trinken nach Hause trugen. Jesus führte am Jakobsbrunnen ein intensives Gespräch mit einer Frau aus Samaria.
An manchen Wasserstellen gab es Tränkrinnen für die Herdentiere. Nicht immer ging es da friedlich zu. Im ersten Buch Mose wird von Steitigkeiten an Brunnen und Zisternen erzählt, aber auch von der schicksalhaften Begegnung Rebekkas mit dem Brautwerber Abrahams und dem romantischen Kennenlernen von Jakob und Rahel beim Tieretränken.
Ausgeschöpfte Brunnenschächte und Zisternen wurden gelegentlich als Verliese missbraucht . Josef und der Prophet Jeremia fanden sich unversehens darin wieder.
Für die Aufbewahrung des Wassers in den Häusern wurden Tonkrüge verwendet. Die waren nicht lasiert, deshalb nicht völlig wasserdicht, sie schwitzten vielmehr permanent Wasser aus. Der Wärmeentzug bei der Verdunstung führte zu einer natürlichen und sehr erwünschten Kühlung des Wassers im Inneren der Krüge.